More in Common: Was geht im Netz?

Ein Impulspapier zum unsichtbaren Drittel

Datum: 30.07.2025

  • Wertemilieus
  • Dialoggestaltung
  • Debattenkultur
  • Expert:innenwissen

In Kürze: More in Common e.V. und Das NETTZ haben ein Impulspapier zum digitalen Vertrauensaufbau mit dem unsichtbaren Drittel (bestehend aus den Enttäuschten und den Pragmatischen) geschrieben und haben vier relevante Hinweise über die Interessen und Verhaltensweisen des unsichtbaren Drittels im Netz herausgefunden.

Im Januar 2025 hat die Organisation More in Common e.V. gemeinsam mit der Vernetzungsstelle Das NETTZ ein Impulspapier zum digitalen Vertrauensaufbau mit dem unsichtbaren Drittel im Netz durchgeführt. Das Projekt baut auf der More in Common-Studie „Die andere deutsche Teilung“ auf, welche insgesamt sechs verschiedene gesellschaftliche Typen innerhalb der deutschen Gesellschaft identifiziert hat. Ausgehend aus diesen gesellschaftlichen Typen ergab sich eine Dreiteilung in der Gesellschaft. Genauere Informationen sind in folgendem Erklärvideo dargestellt.

Das unsichtbare Drittel

Das unsichtbare Drittel ist ein Teil der dreigeteilten Gesellschaft und setzt sich aus den

  • Enttäuschten – (verlorene) Gemeinschaft, (fehlende) Wertschätzung, Gerechtigkeit
  • Pragmatischen – Erfolg, privates Fortkommen, Kontrolle vor Vertrauen

zusammen. Die beiden Typen „sind sowohl menschlich als auch
politisch wesentlich schlechter eingebunden und legen ein hohes Maß an
gesellschaftlicher Desorientierung an den Tag. Auf diese Weise fliegen sie
„unter dem Radar“ der öffentlichen Aufmerksamkeit. Politisch sind sie häufig
heimatlos, neigen zur Nichtwahl und Passivität. In ihren Reihen finden sich
viele Jüngere und auch Menschen mit Migrationshintergrund.“ (2025: 4)

Methodik

Die Befragung setzt sich aus sowohl qualitativen Methoden als auch quantitativen Methoden zusammen. Zunächst wurden jeweils zwei Fokusgruppen mit den Pragmatischen und den Enttäuschten durchgeführt. Die beiden Fokusgruppen wurden jeweils auf digital affine und weniger affine Gruppen aufgeteilt. Die Gruppen wurden beide leitfadengestützt moderiert.

Anschließend wurden etwas mehr als 2.000 Personen in einer Online-Panel-Erhebung zu ihrem Online-Erleben/Bedarfen befragt. Der Datensatz wurde am Ende zusätzlich soziodemografisch gewichtet, um die Bevölkerung präziser darzustellen.

Ergebnis

Das Impulspapier kommt zu insgesamt vier relevanten Hinweisen über das Verhalten und Interessen des unsichtbaren Drittels im Netz:

  • Internet als Ort für private Zwecke: das unsichtbare Drittel interessiert sich in den sozialen Medien eher für private Hobbys als für politische Informationen. Dabei wollen sie nicht als „allzeit bereite Gesprächspartner im öffentlichen Raum, sondern als Leute, die man gerade in ihrem Alltag behelligt“ (2025: 9) wahrgenommen werden
  • Online-Bedürfnis nach Sicherheit, Schutz und Anstand: Menschen aus dem unsichtbaren Drittel vertrauen nicht direkt Akteuren außerhalb des privaten Netzwerks. Zeitgleich ist die Nutzung sozialer Medien oft mit Angst verbunden, weshalb sie auch oft aus Selbstschutz Nachrichten online vermeiden, weshalb sie oft digital eher in geschlossenen Kreisen agieren.
  • Klarheit und Ordnung schafft Vertrauen: Befragte haben angegeben, dass sie sich eher auf die Inhalte einlassen, die ihnen von Bekannten geschickt wurden, die sie klar einordnen können. Jedoch vertrauen sie den fremden Personen am ehesten, „die eine gewisse bereichsspezifische Autorität ausstrahlen“ (2025: 14). Je nach Thema können dies allerdings auch Influencer:innen sein. Dabei ist jedoch die Sachlichkeit und Gründlichkeit wichtiger als Unterhaltung.
  • Teilnahme an Debatten: das unsichtbare Drittel hat kein Interesse daran, an politisch-gesellschaftlichen Diskussionen im Netz teilzunehmen. Sie sind bei politischen Fragen zweckorientiert; erwarten von Akteuren der Politik, dass ihre Bedürfnisse aufgegriffen werden und möchten sich nur in geschützten Räumen auf Nachfrage zu Themen äußern.

Fazit

Das Impulspapier von More in Common e.V. und Das NETTZ leistet einen wichtigen Beitrag, um die Teilung innerhalb der deutschen Gesellschaft besser zu verstehen, noch viel mehr hilft es allerdings dabei, das unsichtbare Drittel in seinen Interessen und Verhaltensweisen besser zu verstehen. Das Impulspapier erinnert aber auch daran, dass die Bedürfnisse des unsichtbaren Drittels wahrgenommen werden müssen, auch wenn es diese nicht lautstark in die Öffentlichkeit projiziert. Diese Bedürfnisse müssen durch einen längerfristigen Vertrauensaufbau und behutsames Zuhören verstanden werden. Dies gelingt sicherlich nicht über Nacht, ist allerdings dennoch wichtig, um den demokratischen Zusammenhalt in der Gesellschaft nicht noch weiter zu schwächen.

Literatur

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